Risiken erkennen und Resilienz stärken – Nachhaltigkeit im Mittelstand neu denken

 

Viele mittelständische Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Zwar hat sich die regulatorische Lage 2025 geändert und für zahlreiche Unternehmen ist die unmittelbare Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung vorerst entfallen. Doch die bereits gewonnenen Erkenntnisse, z.B. aus der doppelten Wesentlichkeitsanalyse oder Stakeholderbefragungen, sind keineswegs überflüssig. Im Gegenteil: In ihrem jüngsten Bericht über den Zustand der Umwelt in Europa warnt die Europäische Umweltagentur vor einer dramatischen Verschlechterung von Natur und Lebensräumen. „Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt, und der Klimawandel nimmt ein alarmierendes Ausmaß an. Dies bedroht die Nahrungsmittel- und Wassersicherheit, die öffentliche Gesundheit, Ökosysteme, Infrastruktur und die Wirtschaft insgesamt“, so die Chefin der Europäischen Umweltagentur Leena Ylä-Mononen. Dies verdeutlicht abermals, dass der Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken ein zentraler Faktor für die Zukunftssicherung der Wirtschaft ist und weit über die reine Erfüllung gesetzlicher Berichtsvorgaben hinausgeht.

Nachhaltigkeitsrisiken im Unternehmensalltag erkennen

Die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsrisiken sind für mittelständische Unternehmen längst nicht mehr abstrakt. Extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen oder Hitzewellen führen immer häufiger zu Produktionsausfällen oder verzögerten Lieferungen. Gleichzeitig machen unterbrochene Lieferketten und die Verknappung wichtiger Ressourcen deutlich, wie verwundbar viele Geschäftsmodelle sind. Mittelständler sind besonders betroffen, da sie oft weniger diversifizierte Lieferketten besitzen und über geringere finanzielle Spielräume verfügen als große Konzerne. Auch soziale Herausforderungen, etwa die Rekrutierung und Bindung von Fachkräften oder die Einhaltung von Sozialstandards in der Lieferkette, können den Geschäftserfolg direkt beeinträchtigen. Hinzu kommen steigende Kosten für Rohstoffe und Energie sowie das Risiko von Reputationsschäden, wenn soziale oder ökologische Missstände publik werden. Diese Entwicklungen zeigen, dass Nachhaltigkeitsrisiken unmittelbar auf die Geschäftsprozesse, die Kostenstruktur und die Marktposition mittelständischer Unternehmen wirken.

Abbildung 1: Beispiele für nachhaltigkeitsbezogene Risiken in der Lieferkette und im eigenen Geschäftsbetrieb

Erkenntnisse nutzen: Von der Wesentlichkeitsanalyse zur Risikoanalyse

Viele Unternehmen haben im Zuge der Vorbereitung auf die Nachhaltigkeitsberichtspflicht bereits eine Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt und so zentrale Nachhaltigkeitsthemen, Risiken und Chancen systematisch erfasst. Diese Analysen bieten eine wertvolle Grundlage. Doch damit hat der Weg zur nachhaltigen Steuerung gerade erst begonnen. Aufbauend auf der Wesentlichkeitsanalyse folgt nun der nächste, entscheidende Schritt: die vertiefende Risikoanalyse.

Während die Wesentlichkeitsanalyse vor allem die relevanten Themenfelder identifiziert und deren Bedeutung für das Unternehmen und die Stakeholder bewertet, geht die Risikoanalyse gezielt in die Tiefe. Sie betrachtet die identifizierten Risiken nicht nur abstrakt, sondern prüft deren konkrete Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb und die finanzielle Situationen des Unternehmens. Besonders wichtig ist dabei, die Lieferkette nicht nur abstrakt, sondern mit Blick auf einzelne Lieferanten, Standorte und kritische Ressourcen zu analysieren. So werden potenzielle Schwachstellen und Abhängigkeiten sichtbar, die im Tagesgeschäft oft unterschätzt werden.

Ein zentrales Ziel der Risikoanalyse ist es, die finanziellen Folgen von Nachhaltigkeitsrisiken – etwa durch Produktionsausfälle, Kostensteigerungen oder Reputationsschäden – greifbar zu machen und zu priorisieren. Auf dieser Basis können Unternehmen gezielt Maßnahmen entwickeln, um die erkannten Risiken zu steuern und ihre Resilienz zu stärken.

Resilienz stärken: Konkrete Handlungsansätze für den Mittelstand

Resilienz bedeutet für Unternehmen, nicht nur auf Risiken zu reagieren, sondern sich proaktiv auf mögliche Störungen vorzubereiten und flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Folgende Ansätze haben sich in der Praxis bewährt:

  • Diversifikation von Lieferanten, Rohstoffen und Absatzmärkten, um Abhängigkeiten zu reduzieren
  • Aufbau langfristiger Partnerschaften und transparenter Lieferketten schafft Vertrauen und ermöglicht einen besseren Informationsaustausch, was im Krisenfall schnelle Reaktionen erleichtert
  • Investitionen in Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz und innovative Ersatzstoffe helfen, die eigene Versorgungssicherheit zu verbessern und gleichzeitig ökologische Ziele zu erreichen
  • Schutz von Standorten und Prozessen vor Extremwetter durch bauliche Maßnahmen oder Notfallpläne trägt zur Resilienz bei
  • Einführung von Frühwarnsystemen und kontinuierlichem Monitoring relevanter Nachhaltigkeitsthemen
  • Förderung einer Unternehmenskultur, die Nachhaltigkeit und Risikobewusstsein verbindet

Fazit: Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor langfristig nutzen

Auch wenn die formale Berichtspflicht für viele Unternehmen entfallen ist, bleibt Nachhaltigkeit ein zentrales Zukunftsthema. Wer vorhandene Analysen nutzt, Risiken aktiv steuert und gezielt Resilienz aufbaut, schafft die Basis für nachhaltigen Geschäftserfolg. Nachhaltigkeit wird so zur unternehmerischen Chance – für mehr Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft im Mittelstand.

Die Nachhaltigkeitsexpert:innen der dhpg unterstützen Sie bei der Risiko- und Resilienzanalyse sowie bei der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsstrategien. Einen praxisnahen Einstieg bietet das kostenfreie Webinar am 18. November 2025 von 10.00 bis 11.00 Uhr. Melden Sie sich gerne hier an.

Thomas Bernhardt

Wirtschaftsprüfer, Steuerberater

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Annika Brüning

Steuerberaterin

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