Der Exzellenzhaus e.V. stellt Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung

  • Eigenverwaltung eröffnet Chance der Neuausrichtung
  • Betrieb des Hauses läuft unverändert weiter
  • Zahlung der Gehälter für die kommenden drei Monate gesichert

Trier, 23. Februar 2018 – Der Verein Exzellenzhaus e.V. möchte sich durch ein Eigenverwaltungsverfahren neu und zukunftsfähig aufstellen. Den entsprechenden Anträgen der Geschäftsführung hat das Amtsgericht Trier gestern Nachmittag zugestimmt. Durch die Insolvenz in Eigenverwaltung hat der Gesetzgeber Unternehmen und Vereinen vor einigen Jahren die Chance eröffnet, sich in wirtschaftlich schwierigen Situationen wieder neu aufstellen zu können. Die Unternehmensleitung bleibt in der Eigenverwaltung weiterhin im Amt und kann damit die Sanierung selbstständig durchführen. Dabei wird der Verein von der Rechtsanwältin Christine Frosch, Fachanwältin für Insolvenzrecht und Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft dhpg, als insolvenzrechtliche Generalbevollmächtigte sowie dem vom Gericht eingesetzten vorläufigen Sachwalter, Rechtsanwalt Prof. Dr. Dr. Thomas Schmidt, Fachanwalt für Insolvenzrecht sowie Arbeitsrecht, begleitet. Beide, Christine Frosch und Thomas Schmidt, sind ausgewiesene Sanierungsexperten.

In nunmehr fast 46 Jahren Vereinsgeschichte setzt sich der Verein Exzellenzhaus als eines der letzten  freien und selbstverwalteten Jugendzentren für die Schaffung von Kinder- und Jugendhilfsangeboten für Menschen aller sozialen Schichten ein, um damit die individuelle, soziale und kulturelle Entwicklung junger Menschen zu fördern. Seit 2015 ist der Veranstaltungs- und Kulturbereich des Exzellenzhaus e.V. / Exhaus Trier strengen Einschränkungen unterworfen: Die möglichen Besucherkapazitäten der bekannten Konzert- und Party Locations Balkensaal und Exil sind aufgrund neuer brandschutztechnischer Vorgaben deutlich reduziert worden. Schon bald soll mit der umfassenden brandschutztechnischen Sanierung des Gebäudes durch die Stadt Trier begonnen werden. Außerdem werden Aufzüge zu beiden Veranstaltungsräumen errichtet und das Exhaus wird barrierefrei. Damit gingen bisher jedoch deutliche Einnahmeausfälle einher und der Verein kann dies nun nicht mehr ausgleichen. Aufgrund dessen ist es zu Liquiditätsengpässen gekommen.

„Trotz der Aussicht auf Besserung geraten wir durch den Umbau kurzfristig finanziell weiter unter Druck, so dass die Vereinsführung, bestehend aus Aufsichtsrat und Vorstand, sich zu diesem Schritt gezwungen sah“, erläutert Thomas Endres, seit kurzem Vorstand des Vereins. „Vorrangiges Ziel der Insolvenz in Eigenverwaltung ist es, den Geschäftsbetrieb fortzuführen und damit das Exhaus zukunftsfähig zu erhalten.“ Vereinsvorstand Thomas Endres betont: „Trotz des Insolvenzverfahrens arbeiten alle unsere Arbeitsbereiche unverändert weiter und auch die Veranstaltungen werden wie geplant stattfinden. Genauso werden alle Gehälter für die kommenden drei Monate durch die Bundesagentur für Arbeit gesichert. Wir sind in der Eigenverwaltung und können weiter selbst entscheiden. Auch wenn nun stürmische Zeiten auf uns zukommen - wir werden die Zeit nutzen, um uns neu auszurichten!“

Der Exzellenzhaus e.V. verfügt über ein starkes und engagiertes Team. Mit Blick auf die kommenden Herausforderungen versichert Thomas Endres: „Wir hoffen auch während des laufenden Insolvenzverfahrens auf die weitere Unterstützung und Förderung der Stadt Trier sowie unserer weiteren Förderer. Alle unsere Veranstaltungen und pädagogischen Bereiche laufen weiter, d. h. es fallen keine Konzerte aus und auch Eltern müssen sich nicht sorgen, dass ihre Kinder nicht mehr im Exhaus betreut werden. Für die nun anstehenden Aufgaben sind wir gut aufgestellt und sind zuversichtlich, dass das Exhaus gestärkt aus dieser Krise hervorgehen wird.“

Über Exzellenzhaus e.V.:
Seit 46 Jahren Vereinsgeschichte setzt sich der Verein Exzellenzhaus als eines der letzten  freien und selbstverwalteten Jugendzentren für die Schaffung von Kinder- und Jugendhilfsangeboten für Menschen aller sozialen Schichten ein, um damit die individuelle, soziale und kulturelle Entwicklung junger Menschen zu fördern. Aktuell verfügt der Verein über einen Kinderhort mit 45 Plätzen, einen offenen Jugendtreff und einen Medienbereich im Exhaus. Darüber hinaus ist das Exhaus Träger des lokalen Fanprojekts und organisiert die Streetwork für Jugendliche und junge Erwachsene in Trier. Im Stadtteil Ehrang betreibt er den Jugendclub Blue und in Trier-Nord einen Umsonstladen. Überregional ist das Exhaus heute vor allem durch den Kultur- und Veranstaltungsbereich und die stattfindenden Konzerte bekannt. Bei voll nutzbaren Besucherkapazitäten zählt das Exzellenzhaus jährlich 70.000 – 100.000 Besucherinnen und Besucher. Der Kulturbereich organisiert zudem den so genannten Bunker (Ludger-Kern Haus), in dem 30-40 lokale Bands proben. Unter der Woche werden die Räumlichkeiten von einem bunten Mix aus gesellschaftlichen Gruppen zu verschiedensten Anlässen wie Aufführungsproben, Sport und gemeinsamem Kochen genutzt. Insgesamt beschäftigt der Verein gut 50 Mitarbeiter, davon sind ca. 60% auf geringfügiger Basis beschäftigt.

Über Christine Frosch, dhpg:
Christine Frosch ist Partner der dhpg und leitet in dieser Funktion das Trierer Büro der Wirtschaftskanzlei, die mit mehr als 500 Mitarbeitern an elf Standorten zu den führenden mittelständischen Beratungsunternehmen in den Themenfeldern Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Rechtsberatung sowie Insolvenzverwaltung und Sanierungsberatung gehört. Als Rechtsanwältin und Fachanwältin für Insolvenzrecht ist sie schwerpunktmäßig im Bereich Insolvenzverwaltung und Sanierungsberatung tätig. Sie ist Mitglied im Insolvenzausschuss der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK), im Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands e.V. (VID) und im Arbeitskreis für Insolvenzwesen Köln e.V. Sie ist Gründungs- u. Vorstandsmitglied des Forum Insolvenzrecht Trier e.V. und Vorstandsmitglied der Juristischen Studiengesellschaft Trier e.V.

Über Rechtsanwalt Prof. Dr. Dr. Thomas B. Schmidt:
Rechtsanwalt Thomas B. Schmidt ist Fachanwalt für Arbeits- sowie für Insolvenzrecht und ausgebildeter Mediator. Er ist geschäftsführender Partner der Kanzlei „Prof Dr. Dr. Thomas B. Schmidt Insolvenzverwalter Rechtsanwälte Partnerschaft mbB“, eine der führenden Insolvenz- und Wirtschaftskanzleien in Rheinland-Pfalz, mit Standorten in Trier und Zell (Mosel). Seit 1997 ist Thomas B. Schmidt als Insolvenzverwalter tätig und gilt als bekannter Experte für Insolvenzplanverfahren und Sanierungen. Darüber hinaus ist er auf personelle Restrukturierungen spezialisiert. Er ist Honorarprofessor der Hochschule Trier und lehrt dort seit 2002 in den Fächern Wirtschafts- und Insolvenzrecht.

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