Was es 2021 zu beachten gilt

 

Als mittelständisches Beratungsunternehmen mit den Kernbereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Rechtsberatung, Insolvenzverwaltung und Sanierungsberatung sowie IT-Services stellen wir Ihnen hier einige der wichtigsten praxisrelevanten Gesetzesänderungen vor, die 2021 in Kraft treten und der Aufmerksamkeit bedürfen. Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Solidaritätszuschlag

Ab 2021 entfällt für rund 90 % der bisher Betroffenen der Solidaritätszuschlag – weitere 6,5 % werden ihn nur noch teilweise zahlen müssen. Personen mit sehr hohem Einkommen sind von der Befreiung jedoch ausgenommen. Die Freigrenze, bis zu der kein Solidaritätszuschlag anfällt, wird von 972 € auf 16.956 € der maßgebenden (Einkommen-)Steuer angehoben, sodass bis zu einem zu versteuernden Einkommen von 61.717 € zukünftig kein Soli mehr fällig wird (bei Einzelveranlagung). Zeitgleich werden höhere Sozialversicherungsbeiträge fällig. Dies ist auf die Erhöhung des Zusatzbeitrags der Gesetzlichen Krankenversicherung sowie die Beitragsbemessungsgrenzen zurückzuführen. 

Mindestlohn

Der Mindestlohn steigt zum 1.1.2021 von bisher 9,35 € auf 9,50 € brutto pro Stunde. Zum 1.7.2021 steht eine weitere Erhöhung auf 9,60 € an. 

Kindergeld

Kindergeld und Kinderfreibetrag steigen ebenfalls deutlicher als bisher. Erhielt man in den vergangenen Jahren stets 12 € mehr monatlich, sind es 2021 nunmehr 15 € zusätzlich. 

Grundrente

Zum 1.1.2021 wird die Grundrente eingeführt. Das bedeutet, dass Rentnerinnen und Rentner, die mindestens 33 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben und nur ein geringes Einkommen haben (1.250 € monatlich bzw. 1.950 € für Ehe- oder Lebenspartner), automatisch einen finanziellen Zuschlag erhalten. Betroffene müssen nicht selbst aktiv werden und diese Aufstockung beantragen. Anspruch haben Personen, wenn sie eine Altersrente beziehen, die im Jahresdurchschnitt zwischen 0,3 und 0,8 Entgeltpunkten liegt. Tipp: Für wen die Grundrente infrage kommt, sollte seine Steuererklärung für das Jahr 2019 abgeben. Und zwar auch dann, wenn er dazu gar nicht verpflichtet ist. Denn die Prüfung des Grundrentenanspruchs basiert voraussichtlich auf dem Steuerbescheid 2019. Im Schnitt werden 75 € brutto im Monat ausgezahlt. 

Fernpendler

Für Pendler, die einen besonders weiten Weg zur Arbeit zurücklegen müssen, erhöht sich zum 1.1.2021 die Entfernungspauschale für den Weg vom Wohnort zur ersten Tätigkeitsstätte ab dem 21. Entfernungskilometer von bisher 30 Cent auf 35 Cent pro Kilometer – unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel. Das gilt auch für sogenannte Familienheimfahrten bei doppelter Haushaltsführung. Der Höchstbetrag liegt weiterhin bei 4.500 € jährlich. 

Grundfreibetrag

Um die sogenannte kalte Progression auszugleichen, werden Grundfreibetrag und Steuertarif wie in den Vorjahren an die Inflation angepasst. So soll eine erhöhte Steuerlast vermieden werden. 2021 fällt die Anpassung verhältnismäßig großzügig aus: Zum Zeitpunkt ihres Vorschlags ging die Regierung noch von einer Inflationsrate von 1,5 % aus. Inzwischen werden angesichts der Corona-Krise jedoch nur noch rund 0,5 % erwartet.

Verbilligte Überlassung von Wohnraum

Die verbilligte Vermietung einer Wohnung zu weniger als 66 % der ortsüblichen Miete führt dazu, dass der Werbungskostenabzug teilweise eingeschränkt wird. Die Thematik ist häufig bei der Überlassung an nahe Angehörige, z.B. an Kinder, relevant, kann aber auch Vermieter in Ballungszentren treffen, die in den vergangenen Jahren die Mieten nicht an die teils stark gestiegene ortsübliche Miete angepasst haben. Die Grenze soll nunmehr auf 50 % der ortsüblichen Miete herabgesetzt werden. Die Vermietung wird dann nicht automatisch in einen entgeltlichen und einen unentgeltlichen Teil aufgeteilt. Vielmehr ist bei einer Miete zwischen 50 % und 66 % der ortsüblichen Miete nunmehr wieder eine Totalüberschussprognoseprüfung vorzunehmen. Fällt diese positiv aus, bleibt der volle Werbungskostenabzug erhalten. Der Bundesrat regt an, aus Steuervereinfachungsgründen auf diese Totalüberschussprognose zu verzichten, die Bundesregierung hält diese aber zur Vermeidung von Steuergestaltungen für erforderlich. Die Änderung soll ab dem Veranlagungszeitraum 2021 gelten.

Umsatzsteuer

Die zum 1.7.2020 eingeführten reduzierten Umsatzsteuersätze von 5 bzw. 16 % werden wieder auf die regulären Steuersätze von 7 bzw. 19 % angehoben. Die Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie wird weiterhin bis zum 31. Dezember 2022 auf den ermäßigten Steuersatz von 7 % gesenkt. Für Getränke bleibt es beim regulären Steuersatz von 19 %. Außerdem wurde im Rahmen der Corona-Steuergesetzgebung der Fälligkeitstermin der Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) verschoben. Die EUSt wird später fällig – und zwar jeweils am 26. des zweiten Monats, der auf die Einfuhr folgt. 

Fernverkäufe (Versandhandel)

Der Begriff des Versandhandels wird mit Wirkung vom 1.1.2021 durch den Begriff des Fernverkaufs ersetzt. Ein Fernverkauf liegt vor, wenn Waren an Nichtunternehmer geliefert und die Ware hierbei auf Veranlassung des Lieferanten grenzüberschreitend transportiert wird, entweder innerhalb der EU oder vom Drittland in die EU. Der Transport soll laut Gesetzesbegründung hierbei dem Lieferanten nicht nur bei Beauftragung des Spediteurs zugerechnet werden, sondern auch wenn er hieran mitwirkt, z.B. durch Einzug der Transportkosten und Weiterleitung an den Spediteur. Unverändert werden Fernverkäufe dort ausgeführt, wo der Transport der Ware an den Kunden endet, sofern die Lieferschwelle überschritten oder auf ihre Anwendung verzichtet wird. Die bisher länderspezifischen Lieferschwellen von ca. 30.000 € bis 100.000 € werden durch eine einheitliche Grenze in Höhe von 10.000 € (Geringfügigkeitsschwelle) ersetzt. Die Schwelle bemisst sich nicht mehr nach dem im jeweiligen Mitgliedstaat erzielten Umsatz, sondern nach der Summe aller Umsätze, die in den übrigen Mitgliedstaaten erbracht werden.

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Matthias Kausemann

Steuerberater

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