Sofortabschreibung von Computerhardware und Software möglich

Hintergrund

Wirtschaftsgüter, die durch den Steuerpflichtigen zur Erzielung von Einkünften genutzt werden und deren Nutzung sich über einen mehrjährigen Zeitraum erstreckt, werden grundsätzlich linear über ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben. Für Computer, Peripheriegeräte und Software sahen die amtlichen AfA-Tabellen vom 15.12.2000 bislang eine Nutzungsdauer von drei Jahren vor. Für betriebswirtschaftliche Softwaresysteme (ERP-Software) wurde nach dem BMF-Schreiben vom 18.11.2005 grundsätzlich ein Zeitraum von fünf Jahren als betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer angenommen.

Beschluss vom 19.1.2021

In ihrer Videokonferenz vom 19.1.2021 fassten die Bundeskanzlerin sowie die Regierungschefs der Bundesländer u.a. folgenden Beschluss: „Zur weiteren Stimulierung der Wirtschaft und zur Förderung der Digitalisierung werden bestimmte digitale Wirtschaftsgüter rückwirkend zum 1. Januar 2021 sofort abgeschrieben. Damit können insoweit die Kosten für Computerhardware und Software zur Dateneingabe und -verarbeitung zukünftig im Jahr der Anschaffung oder Herstellung steuerlich vollständig berücksichtigt werden. Gleichzeitig profitieren davon auch alle, die im Homeoffice arbeiten. Die Umsetzung soll untergesetzlich geregelt und damit schnell verfügbar gemacht werden.“

BMF-Schreiben vom 26.2.2021

Die Finanzverwaltung hat den Beschluss mit Schreiben vom 26.2.2021 umgesetzt. Danach kann für bestimmte Computerhardware (einschließlich zugehöriger Peripheriegeräte) sowie für die zur Dateneingabe und -verarbeitung erforderliche Betriebs- und Anwendersoftware eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von einem Jahr zugrunde gelegt werden. Dieses Wahlrecht ermöglicht also einen Abzug der entsprechenden Anschaffungs- oder Herstellungskosten im Jahr der Anschaffung bzw. Herstellung in voller Höhe.

Die begünstigte „Computerhardware“ wird im Schreiben abschließend aufgezählt und umfasst insbesondere:

  • Desktop-Computer
  • Notebook-Computer, u.a. mit Tablet-Computer, Slate-Computer, mobilem Thin-Client
  • Desktop-Thin-Client
  • Workstation
  • Mobile Workstation
  • Small-Scale-Server
  • Dockingstation
  • Externes Netzteil
  • Peripherie-Geräte mit Eingabegeräten (u.a. Tastatur, Maus, Grafiktablet, Scanner, Kamera, Mikrofon, Headset), externen Speichern (u.a. Festplatte, DVD-/CD-Laufwerk, Flash-Speicher (USB-Stick), Bandlaufwerke (Streamer)) und Ausgabegeräten (u.a. Beamer, Plotter, Headset, Lautsprecher und Computerbildschirm oder auch Monitor oder Display sowie Drucker)


Die Computerhardware muss nach EU-Verordnung den Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung von Computern und Computerservern genügen.

Als Software wird die Betriebs- und Anwendersoftware zur Dateneingabe und -verarbeitung erfasst. Begünstigt sind neben Standardanwendungen auch Individualsoftware einschließlich ERP-Software, Software für Warenwirtschaftssysteme oder sonstige Anwendungssoftware zur Unternehmensverwaltung oder Prozesssteuerung.

Zeitliche Anwendung

Die verkürzte Nutzungsdauer findet erstmals Anwendung für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2020 enden. Für Wirtschaftsgüter des Privatvermögens, die zur Einkünfteerzielung verwendet werden, gilt die Neuregelung entsprechend ab dem Veranlagungszeitraum 2021.

Auch für Wirtschaftsgüter, die in früheren Jahren angeschafft wurden und deren alte betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer noch nicht abgelaufen ist, besteht die Möglichkeit der Sofortabschreibung des Restwerts im Veranlagungszeitraum 2021. Beispiel: Ein Unternehmen hat im Jahr 2019 eine neue ERP-Software implementiert und zunächst über fünf Jahre abgeschrieben. Der zum 31.12.2020 noch bestehende Restbuchwert kann im Jahr 2021 vollständig abgeschrieben werden.

Ergänzender Hinweis

Derzeit ist nicht abschließend geklärt, ob der protokollierte Wunsch der Ministerpräsidentenkonferenz vom 19.1.2021, wonach diese Wirtschaftsgüter „sofort abgeschrieben“ bzw. „im Jahr der Anschaffung (…) steuerlich vollständig berücksichtigt werden“ können, durch die im BMF-Schreiben vom 26.2.2021 fehlende ausdrückliche Bezeichnung als „Sofortabschreibung“ auch so umgesetzt werden kann. Es kann nicht völlig ausgeschlossen werden, dass Teile der Finanzverwaltung die Vorgabe als Abschreibung pro rata temporis über einen Zeitraum von zwölf Monaten interpretieren. Hier wäre eine zeitnahe Klarstellung wünschenswert.

Thomas Nöthen

Wirtschaftsprüfer, Steuerberater

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Benno Lange

Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Fachberater für Internationales Steuerrecht

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