Neuheiten 2017: Was es nun zu beachten gilt Tipps zum Jahresbeginn

Trotz der anstehenden Bundestagswahl wartet der Gesetzgeber 2017 wieder mit einer Reihe neuer Regelungen für Unternehmen auf. Als mittelständisches Beratungsunternehmen mit den Kernbereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Rechtsberatung sowie Insolvenzverwaltung und Sanierungsberatung stellen wir Ihnen hier einige wichtige praxisrelevante Gesetzesänderungen vor.

Keine Belege für Steuererklärung nötig

In Zukunft müssen mit der Steuererklärung nicht mehr zwingend Belege eingereicht werden. Allerdings kann das Finanzamt die Unterlagen anfordern, sollte die Notwendigkeit bestehen. Tipp: Bei ungewöhnlichen oder hohen Posten kann es nach wie vor empfehlenswert sein, die Belege direkt mit einzureichen; dies erleichtert und beschleunigt eventuelle Abstimmungen mit dem Finanzamt.

Gesetz zum Schutz gegen Kassenmanipulation

Ab 2017 müssen alle Gewerbetreibenden, die Bücher führen, sämtliche elektronischen Daten ihrer Kassensysteme digital speichern. Die alleinige Aufbewahrung von Kassenabschlussbelegen auf Papier ist dann nicht mehr ausreichend. Registrierkassen ohne Datenexportschnittstelle, Einzelaufzeichnungs- und Speichermöglichkeit, die bauartbedingt den Anforderungen des Finanzamts nicht oder nur teilweise genügen, müssen bis zum 31.12.2016 aufgerüstet oder ausgetauscht worden sein. Die Vorgaben gelten nicht für mechanische Kassensysteme.

Neues Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG)

Mit der Novelle des AÜG soll der missbräuchliche Einsatz von Leiharbeit und Werkverträgen verhindert werden. Zu den wichtigsten Neuerungen ab dem 1.4.2017 zählen die Begrenzung der Höchstverleihdauer auf 18 Monate sowie das Equal-Pay-Prinzip, nach dem Leiharbeiter spätestens nach neun Monaten Einsatz den gleichen Lohn wie Stammbeschäftigte erhalten müssen. Für tarifgebundene Unternehmen sind in beiden Fällen Ausnahmen möglich. Durch Einführung von Fristenkontrollen wird ein erheblicher Verwaltungsmehraufwand für Unternehmen erwartet.

Bilanzrichtlinien-Umsetzungsgesetz (BilRUG) wird verpflichtend

Für Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember beginnen, ist das neue Bilanzierungsrecht für Unternehmen verpflichtend. Falls das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr entspricht, müssen die neuen Vorschriften also erstmals für das am 31.12.2016 endende Geschäftsjahr angewendet werden. Hintergrund des BilRUG ist eine Richtlinie der Europäischen Union (EU) mit der Maßgabe, nationales Recht an EU-Recht anzupassen und so Jahres- und Konzernabschlüsse innerhalb der EU vergleichbarer zu machen. Das BilRUG schafft eine Reihe von Erleichterungen gerade für kleinere Unternehmen, beispielsweise durch die Anhebung von Schwellenwerten. Dadurch entfallen für eine Reihe von mittelgroßen Unternehmen die Pflicht zur Abschlussprüfung und bestimmte Offenlegungspflichten. Auch die Reduzierung bzw. Anpassung der geforderten Anhangangaben soll kleinere Unternehmen entlasten. Für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften steigen aber die Anforderungen.

Neues Erbschaftsteuergesetz

Am 14.10.2016 stimmte der Bundesrat nach einem langen politischen Tauziehen der aktuellen Erbschaftsteuerreform zu. Auch in Zukunft können Unternehmen von der Steuer befreit bleiben, wenn sie lange genug fortgeführt werden und damit zum Erhalt von Arbeitsplätzen beitragen. Ungünstig können sich die Neuregelungen zum Verwaltungsvermögen auswirken. Neu ist auch ein Kapitalisierungsfaktor von 13,75 für die Unternehmensbewertung. In Fällen, in denen ein Erbe finanziell nicht in der Lage ist, die Erbschaftsteuer zu begleichen, wird sie zunächst für ein Jahr zinslos, dann für sechs Jahre verzinst gestundet. Bei großen Betrieben über 26 Mio. € wird es künftig ein Wahlrecht geben. Ein Erbe kann dann entweder die Steuerschuld aus seinem Privatvermögen bezahlen, oder der Steuernachlass auf das Betriebsvermögen wird bis zu einem Maximalbetrag von 90 Mio. € abgeschmolzen – danach entfällt er ganz.

Bundestag verabschiedet „BEPS-Umsetzungsgesetz 1“

Der Bundestag hat am 1.12.2016 das Gesetz zur Umsetzung der Änderungen der EU-Amtshilferichtlinien und von weiteren Maßnahmen gegen Gewinnkürzungen und -verlagerungen verabschiedet. Mit dem Gesetz werden erste Teile des so genannten BEPS-Projektes („Base Erosion and Profit Shifting“) in nationales Recht umgesetzt. Die OECD-Initiative zielt insbesondere darauf ab, durch das Schließen von Besteuerungslücken und die Schaffung erhöhter Transparenz der künstlichen Gewinnverlagerung durch multinationale Unternehmen entgegenzuwirken. Die Anforderungen an die Dokumentation grenzüberschreitender Verrechnungspreise werden geändert und Unternehmensgruppen mit einem konsolidierten Jahresumsatz von mindestens 750 Mio. € haben jährlich einen länderbezogenen Bericht an die Finanzverwaltung zu übermitteln. Mit dem Gesetz setzt der Bundestag auch einige Ergänzungswünsche des Bundesrates um (z.B. Vermeidung eines grenzüberschreitenden Doppelabzugs von Aufwendungen bei Personengesellschaften, gesetzliche Entschärfung des § 50i EStG).

Neuregelung zur Verlustverrechnung vom Bundestag beschlossen

Unternehmen mit steuerlichen Verlusten, die einen Anteilseignerwechsel planen oder bereits vollzogen haben, dürfen auf den Erhalt ihrer Verluste hoffen. Der Bundestag hat am 1.12.2016 das Gesetz zur Weiterentwicklung der steuerlichen Verlustverrechnung bei Körperschaften verabschiedet. Danach bleiben Verluste, die nach der bisherigen Regelung durch den Anteilseignerwechsel untergehen würden, auf Antrag erhalten, wenn derselbe Geschäftsbetrieb unverändert fortgeführt wird. Die Neuregelung ist für alle Beteiligungserwerbe ab dem 1.1.2016 anzuwenden.

 

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