Unternehmen im Krisenmodus – jetzt die Liquidität sichern

 

Die Coronakrise trifft die deutsche Wirtschaft hart. Der Bedarf nach kurzfristiger und langfristiger Liquidität ist hoch und die Unternehmen kämpfen darum, die Krise zu meistern. Sie stellen sich die Frage, wie die kommenden Monate aussehen werden. Gibt es eine zweite Welle? Wie entwickelt sich die Nachfrage? Die Liquidität zu sichern, steht im permanenten Fokus. Nun geht es darum, in Szenarien zu denken und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.

Corona verändert die Rahmenbedingungen der Unternehmens- und Finanzplanung

Ein „Weiter so!“ kann es in der Planung aufgrund der Coronakrise nicht geben. Waren in der Vergangenheit die mittel- und langfristige Planung von Unsicherheit geprägt, so ist es jetzt die Kurzfristplanung oder wie wir sie bei der dhpg nennen: die Einjahreszielplanung. Wird die Coronakrise das Kundenverhalten nachhaltig verändern? Trägt das Geschäftsmodell noch für die Zukunft? In vielen Unternehmen war das Fortschreiben der Planung mit Werten der Vergangenheit eine akzeptierte Methode. Die schnelle Entwicklung von Pandemieplänen zeigt, dass die wenigsten Unternehmen vorbereitet waren. Das Coronavirus hat uns eiskalt erwischt. Für die zweite Welle müssen wir besser vorbereitet sein! Die betriebswirtschaftlichen Berater der dhpg haben für Sie nachfolgend einen 3-Punkte-Maßnahmenplan für die Planungsanpassung zusammengestellt. 

Maßnahme 1 - Überdenken Sie Ihre Kennzahlen

Stellen Sie Ihre Planung jetzt auf den Prüfstand. Dazu gehört auch die Frage, ob die Zielgrößen, die Sie vor der Coronakrise definiert haben, für Sie und Ihr Team aktuell noch Gültigkeit haben. Gegebenenfalls bedarf es einer Anpassung und einer Fokussierung auf die für Sie wesentlichen Parameter. Einen pauschalen Verweis, welche Kennzahlen die richtigen sind, kann man nicht geben. Je nach Branche und wirtschaftlichem Umfeld können die relevanten Kennzahlen von verschiedenen Umsatz- und Kostengrößen abhängen. Eins verbindet jedoch alle Unternehmen. Das ist der Fokus auf die Sicherung der Liquidität. Beobachten Sie vor allem die Entwicklung der Gesamtrentabilität, die Materialeinsatz- und Personalkostenquote sowie die Höhe des vorhandenen Eigenkapitals – Kennzahlen, die sich erfahrungsgemäß dann dramatisch verändern, wenn sich wirtschaftliche Schwierigkeiten abzeichnen. Stellen Sie sich die Frage nach Sondereffekten, die sich aus der Krise ergeben können und – sollten Sie Krisendarlehen in Anspruch genommen haben oder nehmen wollen – ob diese später rückzahlbar sind.

Maßnahme 2 - Rollierend anstatt statisch planen und die Zusammenarbeit organisieren

Legen Sie die in Punkt 1 entwickelte Einschätzung keinesfalls in die Schublade, sondern hängen Sie sie am besten an die Wand und führen Sie Ihre Planungserkenntnisse rollierend fort. Denn die statische Planung hat in dieser Zeit ausgedient. Halten Sie Ihre wichtigen Kenngrößen kurzfristig, d.h. tagesaktuell im Auge, um schnell agieren zu können. Je größer ein Unternehmen ist, desto mehr entwickelt sich das Denken und Handeln in Teilstrukturen. Als Führungskraft sind Sie jetzt gefragt, die übergreifende Arbeit und das Zusammenführen von Teilplänen zu forcieren. Ein Stück weit heißt dies leider auch, von der Bottom-up-Planung zur Top-down-Planung zu wechseln. Die Teams werden dies in Zeiten der Krise verstehen, wenn man ihnen die Umstände erklärt.

Maßnahme 3 - Szenarien sind das Gebot der Stunde

Spricht man heute mit den Verantwortlichen in den Unternehmen, so kommt man schnell auf verschiedene Ansätze, wie sich die eigene Lage in den kommenden Wochen entwickeln kann, z.B.

  • die Nachfrage kommt trotz Lockerungen bis Jahresende nur auf die Hälfte des Vorjahresniveaus
  • der Lock-down führt zur nachhaltigen Verschiebung der Nachfrage in digitale Kanäle
  • ausgefallener Umsatz wird zur Hälfte bis zum Jahresende wieder ausgeglichen

Spielen Sie drei bis fünf dieser Szenarien für Ihr Geschäftsmodell, Ihren Einkaufs- und Absatzmarkt und die umfeldbezogenen Faktoren durch. Welche Handlungsoptionen haben Sie? Nehmen Sie jeweils eine Chancen- und Risikobewertung vor. Welche Auswirkungen hat das Eintreten der Szenarien auf Ihr Ergebnis und die Liquidität? Das Durchspielen mit unseren Mandanten hat nicht selten dazu geführt, dass kurzfristig neue Ideen und Handlungsoptionen insbesondere bei der Finanzplanung entstehen. So ist für den ein oder anderen vielleicht auch das sogenannte Zero-Base-Budgeting oder auch Nullbasisbudgetierung genannt, eine Option. Hierbei wird das Budget von Grund auf neu geplant – also von Base Zero. Diese Methode ermöglicht es dem Unternehmen, den maximalen Handlungsspielraum hinsichtlich der bestehenden Betriebsgröße offenzulegen und die Geschäftsleitung kann auf dieser Grundlage entscheiden, ob die realistisch zu erwartenden Umsätze ausreichen, um die bestehende Betriebsgröße durch die Krise zu bringen. Andernfalls können frühzeitig, dann allerdings voraussichtlich gravierende, Maßnahmen eingeleitet werden, um die Betriebsgröße neu auszurichten.

Viele Unternehmen schrecken vor einer Szenarioplanung zurück, weil ihnen unter Anbetracht der vielen Möglichkeiten und Maßnahmen die Aufgabe zu komplex erscheint. Hier einige Hinweise unserer Experten:

  • In der Szenarioplanung ist vor allem eines wichtig: Eine ehrliche Ergebnis- und Liquiditätsplanung mit Blick auf Chancen und Risiken aufzusetzen. Natürlich kann niemand genau sagen, wie die kommenden Wochen verlaufen werden. 
  • Setzen Sie Ihren Szenarien als Filter den Grad der Eintrittswahrscheinlichkeit gegenüber. Dies bringt noch einmal einen klaren Blick und hilft, die Alternativen zu reduzieren.
  • Nutzen Sie einen externen Sparringspartner: Als Experte in Ihrer Branche und in Ihrem Unternehmen wissen Sie am besten, wie sich das Umfeld kurz- bis mittelfristig entwickeln wird. In Krisenzeiten kann es hilfreich sein, einen externen Partner mit hinzuzuziehen, der Sie bei der Planungsentwicklung unterstützt und die eine oder andere Anregungen einbringt.

Unser Tipp: Den Prozess unter ein Motto stellen

Die Unternehmensplanung und -steuerung bedarf in der Zeit der Krise einer besonderen Umsicht. Dies gilt vor allem für die Liquiditätsplanung. Wer bisher sein Liquiditätsmanagement dezentral organisiert hat, tut gut daran, dies zu überdenken, um die Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Führen Sie das Liquiditätsmanagement in einen Bereich zusammen. Sie werden feststellen, dass darin interessante Potenziale schlummern. Gegebenenfalls ist es in dieser Zeit notwendig, die Spielräume der beteiligten Mitarbeiter einzuschränken. Das findet nicht immer Zustimmung. Unser Tipp: Entwickeln Sie mit Ihren Mitarbeitern ein Motto, unter das Sie diese Zeit stellen. Dies mag etwas befremdlich klingen, hilft aber, die aktuellen Zielgrößen dem gesamten Team ins Gedächtnis zu rufen und mit den Teammitgliedern Ideen und daraus resultierend weitere Unterstützungsmaßnahmen zu entwickeln.

Die aktuelle Situation betrifft die gesamte Wirtschaft

Laut Bundesregierung hat der Bund bis Mitte dieses Jahres 65.000 Unternehmen einen KfW-Hilfskredit genehmigt und dabei unterstützt, die Liquiditätsengpässe zu reduzieren. Dahinter steht eine Summe von sage und schreibe 33 Mrd. Euro an zusätzlichen liquiden Mitteln. Mehr als 2,3 Mio. Kleinstbetriebe mit bis zu zehn Beschäftigten und Selbstständige haben einen Schnellkredit oder Zuschüsse beantragt – mehr als 15 Mrd. Euro sind bereits bewilligt. Nach Aussage des DIHK-Präsidenten Schweitzer sehen 40 Prozent der Unternehmen für sich Liquiditätsengpässe. Fast die Hälfte berichtet von schwindendem Eigenkapital durch starke Verluste. 10 Prozent der Unternehmen sagen, sie sehen sich von Insolvenz bedroht. Nach dem Lock-down beginnt das produzierende Gewerbe langsam wieder die Produktion hochzufahren. Doch die Prognosen zeigen, es wird eine gute Weile brauchen bis wir wieder das wirtschaftliche Niveau vor Corona erreicht haben. Grund genug, sich mit der Unternehmensplanung intensiv zu beschäftigen.

Weitere Informationen zum Thema Einjahreszielplanung sowie die Downloadmöglichkeit von Vorlagen zu Ihrer persönlichen Jahreszielplanung finden Sie auch in unserem Flyer „Der Jahresabschluss der Zukunft. Erfolg ist planbar“.  

In unserem Coronablog finden Sie weitere hilfreiche Beiträge zur Sicherung der Liquidität – etwa durch einen KfW-Schnellkredit – und zu aktuellen Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung:

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