Pensionsrückstellungen: Neue Richttafeln veröffentlicht

Hintergrund

Bei der Berechnung des Teilwerts von Pensionsverpflichtungen sind neben der Abzinsung mit dem pauschalen Rechnungszinsfuß in Höhe von 6 % die anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik anzuwenden. Die für steuerbilanzielle und handelsbilanzielle Zwecke allgemein anerkannten HEUBECK-Richttafeln stellen die biometrischen Rechnungsgrundlagen für die Ermittlung der Pensionsverpflichtungen dar. Am 20.7.2018 sind nun aktualisierte HEUBECK-Richttafeln erschienen.

Ergebnisse der Neuberechnungen

Die neuen Richttafeln basieren auf den neusten Statistiken des Statistischen Bundesamts sowie der gesetzlichen Rentenversicherung und berücksichtigen die aktuellen Entwicklungen der Wahrscheinlichkeiten für Sterblichkeit und Berufsunfähigkeit. Erstmals werden auch sozioökonomische Faktoren einbezogen, weil sich statistisch ein Zusammenhang zwischen der Lebenserwartung und der Rentenhöhe feststellen lässt. Insgesamt ist eine Verlängerung der Lebenserwartung sowie ein Rückgang der Invalidisierungswahrscheinlichkeit zu beobachten.

Bilanzielle Auswirkungen

In der Steuerbilanz ist durch die neuen Richttafeln, in Abhängigkeit der Zusammensetzung der Pensionsverpflichtungen, mit einer moderaten Zuführung zur Pensionsrückstellung in Höhe von ca. 0,8 % bis 1,5 % zu rechnen. Handelsrechtlich sind Zuführungen von 1,5 % bis 2,5 % zu erwarten, wobei diese maßgeblich von Rechnungszins, Gehaltsdynamik und Fluktuation abhängig sind. Während der durch die Anpassung entstehende Einmalaufwand steuerlich über einen Zeitraum von drei Jahren zu verteilen ist, ist dieser handelsrechtlich sofort zu erfassen. Lediglich Unternehmen, die nach Internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) bilanzieren, erfassen den sogenannten versicherungsmathematischen Verlust erfolgsneutral direkt im Eigenkapital.

Ausblick

Es ist zu erwarten, dass das Bundesfinanzministerium die neuen HEUBECK-Richttafeln für die steuerliche Bewertung von Pensionsrückstellungen anerkennen und Vorgaben für die erstmalige Anwendung vorschreiben wird. Sofern das Bundesfinanzministerium eine analoge Regelung zur letztmaligen Umstellung im Jahr 2005 anwendet, wäre die Verwendung der neuen Richttafeln bereits am Tag nach der Veröffentlichung möglich. Zwingend wäre die Verwendung der neuen Richttafeln erstmals für Bilanzstichtage nach dem 30.6.2019. Die Reaktion des Bundesfinanzministeriums bleibt insbesondere im Hinblick auf die genauen Anwendungszeiträume noch abzuwarten.

Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass das Finanzgericht Köln die Höhe des gesetzlichen Abzinsungssatzes von 6 % angesichts des aktuellen Marktniveaus für verfassungswidrig hält und die Frage daher mit Beschluss vom 12.10.2017 dem Bundesverfassungsgericht zur Prüfung vorgelegt hat.

Thomas Rohler

Wirtschaftsprüfer, Steuerberater

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