Gründung: Von der Idee zum erfolgreichen Unternehmen

 

Welche Fragen sollte man sich stellen, bevor man ein Unternehmen gründen möchte?

Stengert: Eigentlich sind drei Fragen entscheidend, die sich ein Gründer stellen muss:

1. Was kann ich?
2. Was will ich?
3. Was will der potenzielle Kunde?

Diese Fragen und die Frage nach der Umsetzung der Geschäftsidee sollte jeder Gründer schriftlich in einem Businessplan beantworten. Im Businessplan sollte der Gründer auch die strategische Ausrichtung des jungen Unternehmens beschreiben. Ein überzeugendes Konzept auf Basis der drei Fragen beinhaltet auch die Erfahrung (Was kann ich?). Selbstständigkeit bedeutet kompromisslosen Einsatz für die eigene zündende Idee (Was will ich?) und die konsequente Ausrichtung an der Lösung von Kundenwünschen (Was will der potenzielle Kunde?).

Was ist bei der Unternehmensgründung formell, steuerlich und rechtlich zu beachten?

Zimmermann: Es ist wichtig, sich nach der Gründungsidee auch mit ein paar lästigen Fragen wie Formalitäten, Rechtsformwahl, Finanzierung, Ertragsplanung und Steuern zu beschäftigen. Einen guten Überblick über diese Themengebiete bieten Existenzgründungsseminare der Handwerkskammern, der Industrie- und Handelskammern und der Banken. Die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung ist sehr zu empfehlen. Mit Grundkenntnissen ausgestattet und der Unternehmensidee im Kopf ist zudem die frühzeitige Beratung durch einen Steuerberater sinnvoll, um kostspielige Fehler zu vermeiden.

An wen wende ich mich am besten zur Unterstützung bei der Planung? Kann mich mein Steuerberater in der Anfangsphase gut begleiten?

Stengert: Der Steuerberater und eine gute Bank, die mit jungen Unternehmen Erfahrung hat, sind zu Beginn die wichtigsten Ansprechpartner. Die Vorbereitung, das heißt die Erstellung einer Umsatz- und Rentabilitätsplanung sowie einer Liquiditätsplanung, ist eine wichtige Basis, um auftretende Überraschungen in der Phase der Unternehmensgründung zu analysieren und schnell reagieren zu können. Dazu braucht es einen unabhängigen Sparringspartner, der der Steuerberater aufgrund seiner beruflichen Ethik und Unabhängigkeit ohne Zweifel ist.

Was muss ich mitbringen, wenn ich zur Bank gehe, und was muss ein Businessplan enthalten?

Zimmermann: Die oben gestellten Fragen sollten Eingang in den Businessplan finden. Sinnvoll ist es, eine professionelle Gliederung im Businessplan einzuhalten. Fragen Sie hierzu am besten Ihren Steuerberater oder werfen Sie einen Blick auf die Website des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Das Entscheidende ist, ob der Gründer alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Unternehmensgründung mitbringt und seine Idee zum Erfolg überzeugend im persönlichen Bankgespräch vortragen kann. Über das Geschäftsmodell hinaus, sollte der Empfänger des Businessplans von den Produkten bzw. der Dienstleistung überzeugt werden. Wichtig ist es auch, die Ziele und die Strategie des Unternehmens darzustellen und welche Zielgruppen und Märkte bedient werden sollen. Fehlen darf im Businessplan auf keinen Fall eine SWOT-Analyse, mit der die Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken des Unternehmens herausgestellt werden. Weiterhin gehören dazu: das Abbild des unternehmerischen Vorhabens, der Vergleich zum Wettbewerb und der Ertrags- und Finanzplan als Kernstück zur Vorlage bei der Bank.

Wie setze ich mein Unternehmen auf eine wirtschaftlich gute Basis? Empfehlen Sie eine langfristige strategische Planung oder eine Jahreszielplanung?

Stengert: Gerade zu Beginn ist es ratsam, eine mehrjährige Planung zu erstellen und darin die Unternehmensvision abzubilden, um die Tragfähigkeit des Unternehmens darzustellen. Letztlich gilt: Wer nicht weiß, wohin er will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er ganz woanders ankommt. Im Grunde sind auch hier die eingangs gestellten drei Fragen relevant, die als Ergebnis die unternehmerische Vision und die langfristige Ausrichtung enthalten. Der Jahreszielplan ist nach der Gründung wichtig für die eigene Orientierung im kurzfristigen Zeithorizont, aber auch für die Diskussion mit Kapitalgebern, in der Regel insbesondere mit der Bank.

Würden Sie zum aktuellen Zeitpunkt eher zur Gründung oder zum Unternehmenskauf raten?

Zimmermann: Das ist eine Frage, die von den persönlichen Umständen abhängt. Insbesondere bei Familienunternehmen kann der Eintritt in das Unternehmen gut sein, wenn es zum Gründer passt. Gleiches gilt für den Unternehmenskauf vom bisherigen Chef. Der Unternehmenskauf ist jedoch insoweit besonders, als dass auch alle Risiken der Vergangenheit mit eingekauft werden. Dafür sind, im Gegensatz zur Gründung, die Marktausrichtung, der Kundenstamm und die eingearbeiteten Mitarbeiter schon vorhanden. Auf jeden Fall ist die intensive Prüfung des Zielunternehmens von entscheidender Bedeutung, um unangenehme Überraschungen später zu vermeiden.

 

Sie haben weiterführende Fragen zur Unternehmensgründung? Wenden Sie sich gerne an unsere Experten – sie freuen sich auf ein persönliches Gespräch.

Klaus Zimmermann nimmt an mehreren Terminen am InfoForum "Gründen mit System - Starthilfe für Existenzgründer" der Kreissparkasse Köln teil und steht Ihnen auch dort gerne Rede und Antwort. Die Termine finden Sie auf seinem Profil.

Uwe Stengert nimmt an diversen Veranstaltungen der IHK Wiesbaden für Existenzgründer teil und freut sich darauf, Ihre Fragen zu beantworten. Die Termine finden Sie auf seinem Profil.

Uwe Stengert

Wirtschaftsprüfer, Steuerberater

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