EU-Schulobst- und Gemüseprogramm, EU-Schulmilchprogramm

Kernaussage

Das LfSt Niedersachsen hat sich zur umsatzsteuerlichen Behandlung der Zuschüsse nach den EU-Programmen für Schulobst, -gemüse und -milch geäußert.

Sachverhalt

Hintergrund der steuerlichen Würdigung sind die Zuwendungen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen an Obst- und Gemüse- sowie Milchlieferanten im Rahmen des europäischen Schulobst- und Gemüse- sowie Schulmilchprogramms. Das Land Niedersachsen bietet gemeinsam mit der Europäischen Union Schulen die Möglichkeit, sich an diversen Programmen zur Förderung gesunder Ernährungsgewohnheiten zu beteiligen.

Danach schließen die teilnehmenden Schulen eine Liefervereinbarung mit einem oder mehreren von der Landwirtschaftskammer zugelassenen Lieferanten. Der Lieferant (i.d.R. Landwirt oder Lebensmittelhändler) verpflichtet sich hierbei, der teilnehmenden Schule die folgenden Mengen kostenfrei zu liefern:
• an drei Schultagen pro Woche je Schüler 100g Obst und/oder Gemüse und/oder
• schultäglich 0,25l Milch.

Die Schule bestätigt auf einem Liefernachweis den Erhalt der empfangenen Produkte und Mengen und verteilt diese an die Schüler. Der Lieferant reicht die Liefernachweise bei der Landwirtschaftskammer ein und erhält von dort Zuwendungen.

Die Förderbedingungen gehen davon aus, dass die Zuwendungen der Umsatzbesteuerung unterliegen.

Rechtliche Würdigung

Nach Abschn. 10.2 Abs. 1 UStAE können die Zahlungen des Landes an Unternehmer entweder
1. Entgelt für eine Leistung des Unternehmers an das Land oder
2. (zusätzliches) Entgelt für eine Leistung des Unternehmers an einen Dritten oder
3. echter Zuschuss, welcher nicht umsatzsteuerbar ist, sein.

Der Umstand, dass für die Leistungen des Unternehmers (auch) EU-Beihilfen gezahlt werden, begründet allein weder einen Leistungsaustausch noch einen echten Zuschuss.
Zwischen der EU und dem Land Niedersachsen bestehen keine Leistungsbeziehungen. Die EU fördert das Schulprogramm im Rahmen der Projektförderung mittels eines echten, nicht steuerbaren Zuschusses. Die Zahlungen dienen strukturpolitischen, volkswirtschaftlichen oder allgemeinpolitischen Zwecken. Sie unterstützen das Land bei seinen Bemühungen, gesunde Ernährungsgewohnheiten in Bildungseinrichtungen zu fördern, ohne dafür eine konkrete Gegenleistung zu erhalten.

Die Annahme eines umsatzsteuerbaren Leistungsaustauschs zwischen dem Land und dem Unternehmer nach Tz. 1 setzt voraus, dass der Unternehmer eine konkrete Leistung an das Land erbringt, der die Zahlung des Landes als Gegenleistung gegenübersteht. Hierzu muss das Land als Leistungsempfänger identifizierbar sein; es muss einen Vorteil erhalten, der einen Kostenfaktor in seiner Tätigkeit bilden könnte und damit zu einem Verbrauch im Sinne des Umsatzsteuerrechts führt. Diese Voraussetzungen sind im Rahmen der o.g. EU-Schulprogramme nicht erfüllt.

Ein Entgelt von dritter Seite nach Tz. 2 liegt vor, wenn das Land Lieferungen oder sonstige Leistungen des leistenden Unternehmers an einen anderen ganz oder teilweise bezahlt. Dazu muss entweder der Leistungsempfänger gegenüber dem Land einen Rechtsanspruch auf die Zahlung haben, die Zahlung des Landes in Erfüllung einer öffentlich-rechtlichen Verpflichtung gegenüber dem Leistungsempfänger oder zumindest in dessen Interesse gewährt werden. Nicht zum Entgelt gehören dagegen Zahlungen des Landes, wenn sie zur allgemeinen Förderung des leistenden Unternehmers und nicht überwiegend im Interesse des Leistungsempfängers für eine bestimmte Leistung gewährt werden. Die Zahlungen des Landes stellen dann sog. echte Zuschüsse nach Tz. 3 dar. Die Abgrenzung von Entgelt und echtem Zuschuss ist dabei nach der Person des Bedachten und dem Förderungsziel vorzunehmen, welches sich regelmäßig aus den Vorschriften, Bewilligungsbedingungen und ähnlicher Bestimmungen ergibt, aufgrund derer die Zahlung erfolgt.

Die Zahlungen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellen keine echten Zuschüsse dar. Nach den eindeutigen Regelungen der maßgeblichen Verordnungen sollen die Zuwendungen nicht den Lieferanten selbst fördern; „Zielgruppe” bzw. „Begünstigte” sind vielmehr die Schüler und Schülerinnen, für die die förderfähigen Waren bestimmt sind. Die konkretisierten, auf die einzelnen Schüler und Schülerinnen bezogenen Zuwendungen des Landes sind deshalb Entgelt von dritter Seite für diese Lieferungen.

Die Lieferungen unterliegen der Umsatzsteuer zum ermäßigten Steuersatz nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Nrn. 4, 10 und 11 der Anlage 2 zum UStG.

Hinweis

Abschließend weist das LfSt noch darauf hin, dass auch eine Behandlung der Zuwendungen als echter Zuschuss „unterm Strich” zu keinem anderen Ergebnis führen würde. Denn bei dieser Beurteilung würde der Lieferant die förderfähigen Waren unentgeltlich an die Schulen bzw. Schüler liefern und damit eine steuerbare und steuerpflichtige unentgeltliche Wertabgabe nach § 3 Abs. 1b Nr. 3 UStG verwirklichen. Auf die darauf entfallende Umsatzsteuer könnte nicht verzichtet werden, weil sie der Kompensation des vorangegangenen Vorsteuerabzugs dient und auch unionsrechtlich zur Vermeidung eines systemwidrigen unversteuerten Letztverbrauchs geboten ist.

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