Der Jahresabschluss der Zukunft

Was ist ein Jahreszielplan und wofür ist er gut?

Interview: Uwe Stengert und Klaus Zimmermann

Uwe Stengert: Der Jahreszielplan ist Bestandteil einer sorgfältigen Unternehmensplanung. Er umfasst die wichtigsten Zielkennzahlen des Unternehmens, wie Umsatz, Deckungsbeitrag, Kosten, Rentabilität sowie Liquidität. Die Kräfte des Unternehmens werden gebündelt, Chancen genutzt und Herausforderungen oder Risiken wird souverän und vor allem frühzeitig begegnet. Nicht nur bei der Erreichung großer und langfristiger Ziele, beispielsweise der Expansion ins Ausland, sowie bei der Umsetzung der strategischen Ausrichtung eines Unternehmens ist ein Jahreszielplan unerlässlich, sondern auch dann, wenn es scheinbar um die ganz „normale“ jährliche Geschäftsentwicklung geht. Denn wer Ziele und Kennzahlen definiert, hat den ersten Schritt zur Zielerreichung schon gemacht. Von besonderer Bedeutung sind aber auch der Maßnahmenplan und das Controlling – monatlich, mindestens aber vierteljährlich. Diese beiden Maßnahmen führen dazu, aus Wünschen Ziele zu machen. Der Jahreszielplan ist für den Unternehmer und die Entwicklung seines Unterneh¬mens, nicht für die Bank oder für Investoren.

Ab welcher Unternehmensgröße benötigt man einen Jahreszielplan?

Klaus Zimmermann: Das ist völlig unabhängig von der Größe des Unternehmens. Nahezu jedes Unternehmen sollte die eigenen Unternehmensziele in einer Unternehmensplanung dokumentieren. Auf diese Weise kann man während des laufenden Geschäftsjahres ganz genau analysieren, welche Ziele erreicht wurden und wo noch Optimierungsbedarf besteht. Deshalb empfehlen wir jedem Existenzgründer im Rahmen des Businessplans auch einen Zielplan zu erarbeiten. Dieser sollte neben der Unternehmensplanung auch die langfristigen Ziele abbilden und die strategische Ausrichtung sowie die Entwicklung der Märkte und der Wettbewerbssituation beinhalten. Aber auch wenn Sie bereits seit Jahren ein Unternehmen betreiben und bislang keine Jahreszielplanung erstellt haben, empfehlen wir, in das Thema einzusteigen. Und das völlig unabhängig von der aktuellen Lage des Unternehmens. Im Bestfall natürlich in Zeiten der Hochkonjunktur und nicht erst, wenn sich eine Krise abzeichnet.

Welche Punkte umfasst der Jahreszielplanungs-Prozess?

Uwe Stengert: Am Anfang des Prozesses steht die Bestandsaufnahme des Unternehmens: Auftragslage, Umsatz, Mitarbeiterzahlen etc. Aufgrund einer sogenannten SWOT-Analyse, in der die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken für das Unternehmen erarbeitet werden, ergibt sich der Maßnahmenplan. So mag es zwar sein, dass die Auftragslage aktuell nicht die beste ist, die einzelnen Aufträge selbst aber sehr gute Deckungsbeiträge liefern und die Marktprognosen sehr gut sind. Hieraus lassen sich im Rahmen der Erfolgsplanung direkte Aufgaben an den Vertrieb ableiten. Ein Reporting zum Ende des Geschäftsjahres gibt Auskunft über den Erfolg der umgesetzten Maßnahmen. Wurde das Auslieferungsziel erreicht? Konnte der Umsatz wie vereinbart gesteigert werden? Schließlich sollten Erfolgsgespräche mit allen Verantwortlichen geführt werden, in denen besprochen wird, was hätte besser gemacht werden können, vor allem, wenn Ziele nicht oder nicht ganz erreicht wurden. Diese Gespräche bilden dann die Grundlage für die nächsten Jahresziele.

Kann ich allein einen solchen Jahreszielplan aufstellen?

Klaus Zimmermann: Selbstverständlich können Unternehmer und Geschäftsführer eine Unternehmensplanung in Eigenregie erstellen. Hierbei kann die von uns angefertigte Mindmap, die alle relevanten Parameter für eine Jahreszielplanung beinhaltet, unterstützen. Grundsätzlich ist es aber empfehlenswert, einen Experten dazuzuholen, beispielsweise Ihren Steuerberater, denn Ihrem Berater liegen in der Regel bereits alle Zahlen vor, sodass er mit Ihnen gemeinsam den Jahreszielplanungs-Prozess erarbeiten kann. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie bekommen einen erfahrenen Blick von außen auf Ihr Unternehmen, der den Prozess und die umzusetzenden Maßnahmen begleitet. Durch das Controlling wird zudem sichtbar, wie Ihr Unternehmen aufgestellt ist. Zudem erfahren Sie während des Planungsprozesses Unterstützung von der Analyse über die Umsetzung bis hin zum Optimierungsbedarf. So kann sich der Unternehmer entlasten und sich auf die Umsetzung der Ziele fokussieren. Ein Berater, der in den Prozess mit eingebunden ist, hat die Möglichkeit, unterjährig mit Ihnen Erfolgsgespräche zu führen, um die Ziele zu erreichen.

Wie binde ich meine Mitarbeiter am besten in meine Zielplanung ein?

Uwe Stengert: Vielen Unternehmern fällt es schwer, beschlossene Maßnahmen und Ziele für die Belegschaft so darzustellen, dass sie für alle klar und nachvollziehbar sind. Dies ist aber eine Voraussetzung für die Verfolgung der Unternehmensziele über alle Geschäftsbereiche hinweg. Hier kann es durchaus Sinn machen – je nach Umfang und Maßnahme – Mitarbeiter in den Planungsprozess einzubeziehen. Letztlich geht es hier darum, aus Betroffenen Beteiligte zu machen, die mit Engagement die beschlossenen Maßnahmen umsetzen. Es hat sich bewährt, derartige Jahresziele unter ein Motto zu stellen. Dieses Motto muss einfach sein, am besten wie eine Zeitungsschlagzeile. Auf diese Weise bleiben die Ziele in den Köpfen der Mitarbeiter verhaftet und sie haben das Gefühl, gemeinschaftlich ein Ziel zu verfolgen, das allen zugutekommt.

 

Klaus Zimmermann

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Uwe Stengert

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